Von Wollsauen und lockigen Gänsen
Die Arche Warder, unterstützt und 2003 gerettet von Greenpeace, ist Europas größter Tierpark für seltene und vom Austerben bedrohte Haustierrassen.
Hier können wundersame Exemplare an Schweinen, Rindern, Schafen, Federvieh und vielem mehr bewundert werden, die längst aus unserer Land(wirt)schaft verschwunden sind. Viele der hier erhaltenen und gezeigten Rassen gibt es weltweit nur noch in einer Zahl von unter 100 oder 200 Tieren! Ein lebender Gen-Pool, der hier nachgezüchtet und auch verkauft wird, denn viele Landwirte aber auch Liebhaber-Hobbyzüchter/-halter (wie wir, siehe Hühner) erkennen den Nutzen dieser alten Rassen wieder, entwickeln daraus Nieschenprodukte oder frischen Ihren Bestand mit 'positiven Eigenschaften' der alten Rassen auf, so dass z.B. dass Schwäbisch Hallische Schwein es als Rasse Anfang der 90er Jahre im Delikatessbereich geschafft hat.
Es mag markaber klingen, dass diese bedrohten Tierarten in Ihrem Überleben von Vermarktung - also letztendlich wieder ihrem Tode - abhängig sind. Aber so ist es eben mit den Nutztierrassen, Ihre Bestimmung hängt nicht mit natürlichen Ökosystemen zusammen, sondern eben Ihrer Nutzung durch uns Menschen.
Haustierrassen 'sterben aus', wenn sich zum einen das Ernährungsverhalten verändert, wie z.B. die steigende Nachfrage nach magerem Fleisch, so dass die früher begehrten fetten Schweinerassen mit viel Speck, nun über sind. Zum anderen, wenn in Preiskonkurrenz einseitig auf Masse sowohl bei Milch, Eiern als auch Fleisch gezüchtet wird. In den Industriemasttierzuchten ist es sowieso nicht wichtig, ob ein Schwein z.B. besonders resistent gegen Parasiten ist, dagegen gibt es Medikamente und klinische Ställe (natülich ohne Freilauf, Luft, Licht oder gar Erde zum Suhlen).
Warum also solche Tiere erhalten, wenn sie nicht mehr 'nutzen'. Weil es zum einen wunderschöne, Tiere mit besonderen Eigenschaften sind und weil zum anderen ohne sie über kurz oder lang eine monotone Nutztiergruppe mit entsprechenden genetischen Problemen vorherrscht. In der Nutzpflanzenwelt ist es nicht anders - wer kennt die 8.000 Tomatensorten, die es theoretisch gäbe und wer wird mit uns die beliebte Kartoffel 'Linda' vermissen, die es bald wohl nicht mehr geben wird.
Warder (A7 zwischen Neumünster und Rendsburg) ist ein klasse Tiererlebnis mit weitläufigen Anlagen. Die Tiere dürfen NICHT gefüttert werden, freuen sich aber über tiergerechte Leckereien, die am Eingang abgegeben werden können und dann gezielt zugefüttert werden. Dafür muß man Verständnis haben, denn wenn jeder Besucher unkontrolliert füttert, kann das zu Gesundheitsschäden bis hin zum Tod der Tiere führen (letztes Jahr sind 3 Ziegen an zu viel trockenem Brot gestorben!).
Man sieht an allen Ecken, wie sauwohl sie sich in weitgehend artgerechter Haltung fühlen, z.B. die Schweine in den Außenanlagen. Ein paar der seltenen Gestalten und Eindrücke von Warder findet Ihr unter Warder-Fotos, schöne Beispiele für das Fotografieren bei ungünstigen Lichtverhältnissen - es war um die Mittagzeit eigentlich viel zu grell - man möge uns die entsprechend schwierige Qualität verzeihen...
Mehr über Warder? -> www.arche-warder.de