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Gebissloses Reiten – made for Rubens!

Mit Rubens ging mein Traum vom gebisslosen Reiten in Erfüllung. Nach nun über einem Jahr sind für mich 2 Aspekte für ein glückliches Gebisslosreiten ausschlaggebend: Die individuelle Neigung dazu des Pferdes und der ‚Kopf’ des Menschens.

Die mentale Verbindung zum Pferd tritt in den Vordergrund, physische Hilfen am Zaun in den Hintergrund. Eine spannende Herausforderung.

Vorgeschichte – der pferdeindividuelle Aspekt
Rubens ist mit üblichem Stangengebiss vor allem fahrend ausgebildet worden, also als Kutschpferd. Ich weiß nicht wie und wie viel er reiterlich ausgebildet worden ist. Als ich in probe geritten und bekommen hatte wurde er ‚englisch’ mit einem Stangengebiss geritten. In unsere Findungsphase hing reiterlich der Haussegen schnell etwas schief. Die Umstellung auf ‚Western’, also losen Zügel ging prinzipiell von einem Tag zum anderen, er ist ja sehr gelehrig und hatte die Kommandos fix drauf. Aber er kaute viel gegen die Zügel, reagierte langsam und forderte den Zug auf den Zügeln geradezu ein, auch wenn es nur ein kleines Zuppeln war. Er wirkte genervt und war auch mal schwierig zu halten im Gelände, das Gebiss schien in dabei so gar nicht zu beeindrucken. Ich führte das zunächst darauf zurück, dass er die ständige Anlehnung und Zügelhilfen vom gewohnten Englisch-Geritten-Werden forderte und erwartete, und darauf, dass er ein cleveres, dominantes, willenstarkes Tier ist, dem ich mich gegenüber noch als ‚Boss’ behaupten musste. Wir hatten keine wirklichen Probleme, aber ich war nicht glücklich und hatte nicht das Gefühl, dass mein Pferd sich beim Reiten wohl fühlte. Als ich ihn schon 8 Monate hatte und zum Glück schon lange gebisslos ritt, kam dann auch noch heraus, dass er einen entzündeten Wolfzahn hatte (wo das Gebiss gegen schlägt) und scharfe Kanten, die das Zahnfleisch leicht verletzten. Ein Indiz, dass er womöglich sogar Schmerzen mit Gebiss hatte. Der Zahn ist mittlerweile gezogen und die Kanten geschliffen.

Wer wagt gewinnt!
Ich arbeitete an unserer ‚Beziehung’ erfolgreich nach ‚be strict’ und mit dem Geitnerhalfter. In Michael Geitners Büchern stand, dass man selbiges Halfter auch gerne zum Reiten nehmen kann.

Mit meinem Wunschtraum vom gebisslosen Reiten las ich das nicht zweimal! Aber ob das ginge, bei einem Pferd das schon mit Gebiss ein fette handvoll Pferd ist? Guckig und gerne seinen eigenen Willen durchsetzen wollend? Ein Pferd das bei Druck eher gegenangeht, sich hochschaukelt, statt nachzugeben?

Es ging unbeschreiblich gut! Ich hatte ein ganz anderes Pferd! Rubens war entspannter, konzentrierte sich viel besser, reagierte superfein und schnell! Instinktiv noch vorsichtiger und bewusster mit dem gebisslosen Zaum umgehend, da neu, entdeckte ich völlig verblüfft, dass ich generell viel weniger Hilfen am Zaum brauche, er allein auf leichte Gewichts- und Schenkelhilfen schon prima und schnell reagierte. Eine wichtige Voraussetzung für das gebisslose Reiten. Anhalten ging plötzlich so ganz am losen Zügel. Wow! Was für ein Gefühl! Was für ein feines Pferd!

Das hat mich so überzeugt, dass wir gleich gebisslos ab ins Gelände sind – unsere Versicherung deckt das natürlich ab. Auch hier war Rubens gebisslos ein Traum. Es gab viel weniger bis gar keine ‚Kämpfe’ mehr, er lief gelöster und wenn er mal ‚lustig’ wurde, genügten wenige Impuls, um ihn wieder ‚einzufangen’ und ‚zu mir’ zu holen. Einige Monate später entdeckte ich für uns Monika Lehmenkühlers Glücksrad. Das konnte ich prima in meine schönen Westernzaum einschallen und ersetzte das Geitnerhalfter, das mir auf Dauer zu viel und zu ‚schwer’ an Rubens Kopf rumhüpfte und in sichtlich auch mal nervte. Seitdem sind wir glücklich mit Glückrad, welches ich über der Nase mit einem breiten, weichen Lederband versehen habe und ohne Stirn und Kinnriemen verwende, da Rubens entspannter und ‚glücklicher’ ist, je weniger am Kopf hat.

Das mit der Kopfsache...
Interessant ist unsere schwierige Phase dann nach der Hansepferd. Dort hatte ich beim ersten Auftritt in der Galahalle komplett die Kontrolle über Rubens verloren. Lichtorgel, Musik, volle, laute Tribünen, das war zu viel für uns. Ich war geschockt und auch wenn wir über die Tage die Situation prima gemeistert haben und noch enger dadurch zusammengewachsen sind, blieb bei mir im Kopf das Gefühl des Kontrollverlustes traumatisch zurück. Es blieben ein gute Portion Unsicherheit und auch ein wenig Angst bei mir hängen. Fieserweise ganz unbewusst subtil. Die nahm ich nach unserer Rückkehr leider wieder mit in den Sattel. Und schon bekamen wir Probleme, ein paar mal konnte ich Rubens so gar nicht mehr halten. Er wurde schreckhafter und ich fing auch schon an unbewusst nach Holzstapeln und Dingen am Wegesrand Ausschau zu halten, ein Teufelskreis. Sollte ich Anzüge, also Shanks, bestellen, um die Zäumung ‚schärfer’ zu machen? Ich grübelte, das konnte nicht die Lösung sein, denn mit einer schärferen Zäumung kann ich vielleicht kurzfristig die Symptome beheben, aber nicht die Ursachen. Ich hatte es doch schon auf der Hansepferd ‚ohne’ geschafft, obwohl mich einige bequatschen wollte, ihm ein Gebiss zu verpassen. Das ist nicht mein Weg, das fühlte sich nicht richtig an. Mir war eigentlich schon klar, das es an mir lag und nicht an irgendeiner Art Zäumung. Aber richtig bewusst ging mir das Licht erst nach einem Telefonat mit Monika Lehmenkühler auf. Ich erkundigte mich nach den Shanks, mit denen man das Glücksrad ausbauen konnte. Monika Lehmenkühler bestätigte meine Vermutung. Sie sah die Wirkung und Bedeutung ihrer Shanks mehr beim Reiter als beim Pferd. Quasi psychologisch à la ‚damit kann ich mehr einwirken, also fühle ich mich sicherer`. Sie sagt die meisten Reiter machen damit nicht mehr und nix anders als ohne, fühlen sich aber sicherer und das überträgt sich aufs Pferd. Logische Schlussfolgerung für mich war: dazu brauche ich doch keine Shanks, das müsst ich auch so hinkriegen mit mentaler Arbeit! Ich also noch 2 Tage weiter gegrübelt bzw. mich mental gestärkt: ich bin souverän! ich fühle mich sicher!

Und tatsächlich! Ab dem nächsten Ausritt bis heute waren meine Probleme mit Rubens von 100 auf 0 quasi verschwunden. Ich habe nix weiter gemacht, als mir und dem Pferd zu erzählen und versucht tief zu fühlen, dass ich souverän und sicher bin und er auch, und habe bewusst vermieden, nach ‚Problemzonen’ am Wegesrand Ausschau zu halten. Das war’s. Eine wichtige Lektion!

Von Abstumpfung keine Spur – weniger ist mehr!
Gerne wird in der Presse und in Tests von Abstumpfung im Zusammenhang mit gebisslosem Zaum gesprochen. Klar kann das passieren, aber nur genauso wie mit Gebiss. Ich habe leider viele Pferde, inklusive Rubens kennen gelernt, die dem Gebiss gegenüber abgestumpt, ‚hart im Maul’ waren. Eine Zäumung ist so scharf wie die Reiterhand, da ist es egal, womit das Pferd verschnallt ist. Ich habe gelernt, dass ich oft mehr Hilfeneinsatz gegeben habe, als Not tat und das Geheimnis, das ich für mich entdeckt habe, ist, dass ich versuche keine automatischen, unbewussten Hilfen zu geben. Ich versuche immer mit so wenig auszukommen wie nötig und probiere immer wieder weniger. Erst ‚wenn ich nicht ankomme’ steigere ich die Hilfe leicht und gebe Rubens Zeit zu reagieren. Das kostet viel Kraft und Konzentration und gelingt mir natürlich nicht immer. Ich habe somit auch gelernt, später einzugreifen, wenn er mal nicht gleich folgt. Erschreckt er sich im Gelände, nehme ich nicht gleich die Zügel an und gebe Paraden, was so leicht instinktiv geschieht, sondern ‚gehe’ ggf. noch ‚mit’, sogar mit treibender Hilfe, ignoriere Gezappel oder Seitwärtsweichen, schaue die ‚Gefahr’ nicht an, sondern dahin, wo ich hin will und treibe wie gesagt eher ein wenig. Damit signalisiere ich ihm, `da ist nix ‚Herde’, weiter geht’s’. Das klappt wunderbar und unser Reiten und Zusammenspiel wird immer ausgeglichener und ruhiger. Ich will keinen Soldatengehorsam bzw. respektiere damit seine instinktgesteuerte ‚Natur’. Er ist ein Pferd und das soll er auch bleiben dürfen. Ich finde es nicht schlimm, sondern richtig, wenn er seine Umgebung wahr nimmt und darauf reagiert, solange er sich mir schnell wieder anschließt.

Und so kommt es auch zu keiner Abstumpfung – durch die Kombination von kontinuierlicher Hilfenreduzierung und dem Pferd Zeit lassen, bevor ich Hilfen einsetze – denn umso seltener benutze ich Zügelhilfen überhaupt und um so besser wirken sie mit wenig Druck, wenn ich sie mal brauche – ein positiver Teufelskreis.

Gymnastizierung
In der Presse wird am gebisslosen Reiten, jüngst insbesondere im Zusammenhang mit dem Glücksrad, gerne bemängelt, dass es sich für Gymnastik und Dressur nicht eignet, man die Pferde damit nicht genug an die Zügel stellen und in Anlehnung reiten könnte. Nun, dazu kann ich nicht viel sagen. Wir reiten western am losen Zügel und wollen keine hohe Schule. Aber für das, was ich mache, komme ich mit dem gebisslosen Glücksradzaum prima aus. Für Schulterherein und kleine Traversübungen kann ich ihn prima und leicht an den Zügel stellen. Nun bin ich kein Profi und sehe uns selbst nicht vom Boden aus. Ob das alles so aussieht und abläuft, wie es sein soll? Keine Ahnung – aber es fühlt sich gut und richtig an.

Fazit
Wir haben mit unserem Glücksradzaum unseren Weg gefunden. Mittlerweile sind wir vorwiegend am losen Zügel per Neckreining unterwegs. Um mich sensibel zu halten, reite oft lange Sequenzen und Übungen ganz ohne Zügel. Ich bin unendlich dankbar für mein feines, kluges Pferd. ‚Never touch a running sytem’…

ENDLICH DA! Das Buch das alle Erklärungen und weiterführenden Erläuterungen zum gebisslosen Reiten und insbesondere dem LG-Zaum bietet:

Anspruchsvoll gebisslos reiten mit dem LG-Zaum von Monika Lehmenkühler.

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