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Rubens auf der Hansepferd 2006
- oder: Des Wahnsinns fette Beute…

Eckdaten
300 Pferde aus über 40 Rassen waren auf Norddeutschlands größter Messe  rund ums Pferd (ca. 60.000 Besucher +) vom 28.4. - 1.5.06 dabei und traten größtenteils in diversen Rahmenprogrammen und der Galashow auf.

Rubens mittendrin und zwangsläufig auch ich. Wir waren Teil der 7-Pferdköpfigen Dölepferd-Fraktion mit Infostand. Die auf der roten Liste stehende Rasse wird seit über 1 Jahr in Deutschland bekannt gemacht und soll bei Interesse zwecks Artensicherung hier vorsichtig und bedacht weiter verbreitet werden. Das Interesse war groß… Mit Rubens waren alle 3 in Deutschland lebenden Dölepferde vertreten. Neben der Präsentation der Pferde in der Box sollten wir jeden Tag jeweils 1 mal im Rassering auftreten und 1 mal in der Galahalle mit 2 Kutschen und 4 Reitern. Das Interesse war so groß, dass wir ab Sonntag jeweils 2 mal auftreten mussten…

Hinweis: Die meist schlechte Fotoqualität möge man uns nachsehen. Es wurde wenig und in Stress fotografiert....

Rubens’ Messetagebuch

Anreisetag
Es fing nicht ganz so günstig an für uns. Statt wie geplant zwischen 14 und 15 Uhr abgeholt zu werden, wurde es 20 Uhr. Zunächst mussten wir schauen, wie es mit Sunny und der Island-Gesellschaftsstute läuft. Beide Herren waren neugierig entzückt, die Islandstute noch ziemlich fertig und verschreckt von einer langen Hängerfahrt, suchte aber auch sofort die Näher der anderen beiden. Während ich Rubens’ Gepäck verladen habe, konnte die Lütte sich etwas aklimatisieren. Rubens schließlich brav ab auf den Hänger und außer Sichtweite, bevor wir Sunny und die Stute zusammen ließen, damit er nicht denkt, er wird ersetzt.

Die Stute und Sunny haben sich prima verstanden - Sunny war wohl schon ein wenig verliebt ;-), hat sich rührend um sie bemüht. Zunächst ganz Gentleman, vorsichtig und zart wähnte er in den folgenden Tagen seine große Chance mal der Chef zu sein und ließ den Macho raushängen, drohte sie vom Futter weg und trieb sie herum – er genoss offensichtlich den Rollenwechsel. Die Stute dackelte trotzdem anhänglich hinter ihm her. Interessant war für uns noch, dass Sunny und Stute bei kleinstem Anzeichen von Regen den Stall aufsuchten. Mit Rubens muss Sunny immer draußen im Regen stehen, das tut er also offensichtlich nicht freiwillig…

Rubens kam gegen 22 Uhr auf der Messe an und bewieherte erstmal all die anderen Pferde während er seine Box bezog. Uns blieb so natürlich keine Zeit Gelände und Halle schon mal kennen zulernen, und ich konnte nur das Nötigste an Organisatorischem ausloten. Der nächste Tag würde ein Sprung ins kalte Wasser, aber wir sind ja flexibel.

Erster Messetag
Saufroh war ich, dass mein Gunnar an diesem Tag komplett an meiner Seite war und mir den Rücken stärkte bei allem Zwischenmenschlichem und Zwischenpferdlichem! Ich war übermüdet, mit einer Erkältung angeschlagen und überfrachtet mit all den Eindrücken: Geräuschen, Bildern, Menschen, Organisation, Einstellen auf die Truppe usw. Rubens erschien mir positiv angespannt: „Was geht hier ab?“ Er begrüßte und antwortetet ausdauernd jedem Pferd und Menschen, wollte bloß nix und niemanden verpassen. Immer wieder bildeten sich Trauben um mein ‚grinsendes’ Pferd (weil er so viel flehmte), das sich zu gerne streicheln ließ und Besucher untersuchte. Da alle Dölepferde in verschieden starker Ausprägung so außergewöhnlich wach, kontaktfreudig und interessiert sind, zogen wir die Menschen an wie Magnete. Oft wurden Besucher und vorbeigehende Pferde von einer Wupper- und Wieherorgel entlang der Döleboxen begleitet. Waren mal nicht so viele Menschen da, wurde es Rubens schnell langweilig und er ungeduldig. Dann habe ich ihn  - wieder zu Freude der Leute mit diversen Tricks wie ‚Flehmen auf Handzeichen’, ‚Hut vom Kopf nehmen’ oder ‚Hut aufheben’ abgelenkt und beschäftigt. Das durften auch die Besucher machen und ich hätte viel verdient hätte ich dafür 3 Euro genommen ;-)…

Dann kam der erste Auftritt in der Galahalle. Da sich Rubens auf dem ungewohnten Gelände voller Gerätschaften, lauter Musik – direkt bei unserem Ausgang war ein Autotrail mit spektakulärem Hindernis-Parcour und lauter Diskomusik, Baustellen mit Bagger, Kran, vorbeifahrenden S-Bahnzügen, Menschenmassen, Würstchenbuden, diversen Müllcontainern, Bänken, Tischen, anderen Pferden u.v.m. interessiert guckig, aber gelassen brav bewegte, dachte ich mir noch nicht viel und tatsächlich naiv „wir reiten mal eben in einer nie geübten Formation in unbekannter Halle mit menschenbeladener Tribüne mit, begleitet von Lichtorgeln und Musik…

Dachte ich mir so… Schon im Aufwärmbereich merkte ich, das wird nicht einfach… Für Rubens waren es zu viele Eindrücke, Neues und Input auf Nase, Augen und Ohren, auf die er sich einstellen musste. Weiße, hohe Banden mit Schattenspiel, laute Musik, Drehlichter, andere Pferde die gnadenlos vor und hinter ihm vorbei zogen in ihrer Vorbereitung. Er zappelte, wich und schoss gerne  nach vorne los, weg von dem Trubel Richtung Ausgang. Ich selber angeschlagen muss sagen, dass ich so spontan nicht konzentriert genug war und nicht sicher genug, wie ich seinen Sperenzien begegne, zumal ich ja schon wusste: mit Gegendruck wird man bei ihm nix bzw. nicht immer was, das ist ein vorsichtiges Vortasten… Hinzu kam natürlich auch in den ersten 1,5 Tagen, dass ich mich nicht ganz von all dem Publikum frei machen konnte - das fällt es schon schwerer sein Pferd zu maßregeln " was denken die von mir?". Mit der Zeit schaffte ich es selbstsicherer zu werden und mich davon frei zu machen, was die Leute denken - es ging nur um Rubens und mich, als wären wir ganz allein.

An den ersten Auftritt erinnere ich mich nur noch schemenhaft, hatte alle Hände voll zu tun, ihn unter Kontrolle zu behalten, was zunächst eher weniger gelang. Geplant war, dass durch die beiden Eingänge rechts und links jeweils eine Kutsche reintrabe mit 2 Pferden dahinter, beide Truppen sollten am hinteren kurzen Ende kreuzen, dann zurück und die beiden Kutschen an den Eingängen in Wartestellung gehen, während wir Reiter uns an der kurzen Eingangsseite aufstellen. Wir sind zu nächst in einem hübschen Seitengang hinter der Kutsche her getrabt, weil Rubens die Bande unheimlich war, am langen Ende wurde es ihm ganz zuviel und ich konnte ihn nicht halten, er überholte die Kutsche in Richtung Ausgang hinaus. Von dort habe ich uns dann immerhin wieder in Position in die Halle hinein bekommen. Als nächstes kam die Dressurreiterin dran, und wir hatten etwas Zeit uns zu beruhigen. Rubens schnaufte und war nicht zu bewegen, den Hals lang zu machen und mir seine Ohren zu zu wenden – kein gutes Zeichen…

Nach der Dressureinlage waren wir Freizeitreiter dran, beim ersten 'Solo'-Auftritt waren wir nur zu zweit und hatten noch zuversichtlich und naiv zu Fuß auf dem Gelände trabend eine kleine Formation geübt – irres Kichern... Davon wollte Rubens nichts wissen. Wieder seitliches Traben mit Kopf in Richtung Bande und am Ende ging er mit einem Rollback in Richtung Ausgang diagonal durch die Halle buckelnd durch. Meine Schuld, denn da wir mittlerweile so weit von der Bande weg gewesen waren, hatte ich die Orientierung verloren und überlegte zu lange, ob die Volte am Ende rechts oder links rum gehen sollte, da hat er entschieden und übernommen… Zur Freude des Publikums. Ich habe es dann dabei belassen und mich wieder am kurzen Eingangsende aufgestellt, bin erstmal abgestiegen um mich für ihn wieder zu beruhigen. Während des Auftritts der Kutschen konnten wir etwas durchschnaufen, dann bin ich wieder rauf, um den Ausmarsch wieder mit allen mit zu reiten. Rubens war kaum und nur mit weil Zügeldruck hinter der Kutsche zu halten. Auf dem Rückweg war dann wieder kein Halten mehr und wir sind zwischen Kutsche und Bande in Richtung Ausgang durch…

Alles in allem fühlte es sich für mich wohl desaströser an, als es vom Publikum wahrgenommen wurde. Selbst Gunnar dachte „ Wann hat sie denn heimlich solche Seitengänge geübt?“ und alle dachten doch tatsächlich, alles sei so gewollt gewesen – noch mal irres Kichern ;-).

Ich war erstmal eher geschockt und am überlegen, ob ich überhaupt weiter mit reiten sollte… Im Rassering und auf dem Gelände ging es weiterhin gut. Rubens war etwas aufgeregt, aber gut kontrollierbar und ‚bei mir’. Die Rasse ist grundlegend einfach nervenstark, das war auch bei den anderen beiden Freizeitdöles so, die solche Situationen und Umgebungen ebenfalls überhaupt nicht gewohnt waren. Die gingen da überall durch, als wäre das das Selbstverständlichste von Welt. Allerdings muss ich sagen, dass manche Besucher unglaublich angstfrei und rücksichtslos sind, wie sie sich schnell noch vor einem Pferd durch die Türen drängen, dahinter lang schießen und es von allen Seiten schnell noch mal betatschen. Mütter die Ihre Babies ranhalten usw. Mit Döles kann man das machen, aber woher wissen die das? Und auch einem Dölepferd kann es mal zu viel werden, dann wird auch mal der Hintern gedreht und in die Besucher geschoben, um zu gucken, was da hinten los ist.

2. Messetag
Mein Hirn hat die ganze Nacht bebrodelt, analysierend, was ich besser machen musste und wie ich an Rubens in der Halle rankomme, ihm Sicherheit geben kann. Bereits um kurz nach 6 war ich nach schlafloser Nacht und mittlerweile fiebrig erkältet wieder auf der Autobahn. So konnte ich die frühe Stunde nutzen, mit Rubens vor Messebeginn in der Halle und auf dem Gelände zu üben. Ich hatte so die nötige Zeit und Ruhe, die Rubens in solche Situationen einfach braucht, um sich an Neues oder für ihn ‚pferdefressendes’ zu gewöhnen. Bei Rubens kommt man bekannterweise (Schweinestory) mit Druck nicht weit, da reagiert ab einem bestimmten Punkt mit unerreichbarem Gegendruck.. Er braucht etwas Zeit und gewohnte Übungen, dann geht es ganz schnell. Die Stimmung war schön am frühen Morgen und Samstag bereits viele Pferd dabei, die sich für ein Turnier aufwärmten. Stück für Stück habe ich mich in Vorbereitungs- und Showhalle an die Banden vorgearbeitet und immer kontrolliertere Runden und Übungen zwischen den anderen Pferden durchziehen können. Toll hat mir eine Familie geholfen, die direkt and er Bande saß mit einem Korb voller Bananen. Direkt bei Ihnen habe ich angehalten und immer näher an der Bande „Wendungen gegen den Zaun“ geritten, um ihn mit der gewohnten Übung an Bande, Sitzreihen und Zuschauer zu gewöhnen. Auch den Trick, dass er mir den Hut vom Boden reicht habe ich immer wieder angewendet, um ihn mit etwas ‚Bekanntem’ Sicherheit zu geben – ein klasse Tipp von meinem Mann übrigens! Die Familie war begeistert und lobte Rubens mit Bananenstücken. Wir also immer wieder ein Runde dahin, was vorgeführt und dann gab es Banane. Schließlich sind wir so dicht an der Bande lang, dass mein Stiefel laut an ihr lang schliff…

Damit war für mich klar, ich reite weiter mit – das schaffen wir!

An diesem 2. Tag fing Rubens bereits an Verhalten von ‚Hospitalismus’ in seiner Box zu zeigen. Er langweilt sich halt schnell und ist soviel stehen nicht gewöhnt. Er wurde ungeduldig schnappig, fing an auf den Gitterstäben Gitarre zu spielen und den Wassereimer zu zernagen… Also habe ich mit ihm Sparziergänge unternommen, die Boxentür geöffnet, damit er sich besser mit den Besuchern beschäftigen konnte und – da ich nicht immer vor Ort sein konnte –einen Spielleckstein am Band gekauft. Letzterer war der Hit und er damit eine weiter Attraktion für die Besucher. Das mit dem Lecken hat er nicht so verstanden, aber das Teil spektakulär durch die Gegend geflubbert, zerbissen und gesprengt. So hat er zumindest auch nicht zu viel davon gefressen, allerdings an die 6 Lecksteine insgesamt zerstört…

Der 2. und 3. Auftritt liefen immer noch nicht perfekt, aber deutlich von mal zu mal besser. Immer öfter sind wir da geritten, wo wir sollten und was wir wollten ;-). Ich bin mords stolz auf meinen Zossen, der sich tapfer auf mich und die Situation eingelassen hat.

An diesem Tag hatten wir auch einen Termin auf der Pferdwaage, den Rubens superbrav und gehorsam absolvierte. Erst wurden Fettfalten am Hals und Rücken gemessen, dann ab auf die Waage. Ergebnis 620 KG und einen Bewertungswert von 6,2 sowas wie Body-Mas-Index bei Menschen, und damit nur leicht um 0,2 vom Idealwert abweichend.

3. Messetag
Heute traf ich um 6:30 ein, halfterte Rubens und wir gingen erstmal ausgiebig Sparzieren. Ganz entspannt rund um alle Hallen rum, bewußt und in Ruhe zwischen Würstchenbuden mit Flatterplanen und Biergartenbestuhlung durch. Rubens war supercool und dadurch immer entspannter. Als er komplett mit langem Hals, Ohren bei mir und Kopf auf Schulterhöhe überall mitging, bin ich mit ihm in die Halle, die wir komplett für uns hatten. Auch dort habe ich ihn zunächst geführt und wieder in Ruhe aber bestimmt, den Banden und lauten Putzwagen und sonstigen komischen Gegenständen am Rande näher gebracht. Als er auch hier schließlich alles gelassen nahm, habe ich ihn noch ein wenig longiert. Dann zurück zur Box, satteln und zurück in die Halle. Er lief traumhaft wie zu Hause, liess ich mit hängenden Hals im entspannten Jog durch die Gegend dirigieren, direkt an den Banden anhalten, rückwärts richten und wenden. Diese frühe Morgenarbeit mit Ruhe und Zeit war das Schönste für mich. Ich habe es sehr genossen, die Stimmung, mein Pferd und so eine tolle Halle mal ganz für mich zu haben.

Mit nun 2 Auftritten im Rassering und 2 Auftritten in der Showhalle, war das Programm voll und Rubens zusätzlich mit seinem Leckstein gut ausgelastet und weitgehend zufrieden. Er hat etwas mehr gedöst, sich auch mal kurz hingelegt, nicht mehr jeden und alles angewuppert. Insgesamt habe ich aber beobachtet, dass Rubens, genau wie ich, schlecht abschalten und seine Umwelt ausblenden kann. Während die anderen Pferde mal länger, durchgehende Döse- und Liegephasen einlegten, den Trubel ignorierend, habe ich bei Rubens keine Ruhephase länger als um die 30 Sekunden bis 2 Minuten beobachten können. Immer wieder schaute er auf, wupperte oder wieherte antwortend, guckte, begrüßte…

Die Auftritte liefen weiter in großen Entwicklungsschritten sehr viel besser und kontrollierter. Wir hielten uns hinter der Kutsche und schließlich konnte ich mit Rubens sogar am langen Zügel hinterher reiten. Er ließ sich fein Huf für Huf ‚einparken’ und den Hals mit Ohren zu mir in unsern Pausen hängen. Unsere Einlage habe ich gekürzt. Mittlerweile sind alle 3 Freizeitdölepferde mit geritten. Die anderen beiden in einer schönen Formation, während ich mich damit zufrieden gab, am unteren Ende ruhig im Schritt zu kurven und Wendungen gegen den Zaun’ zu zeigen, schließlich auch und dann nur noch den Trick mit dem Hut-Aufheben-und-mir-reichen. Der klappt immer zuverlässig - hätte ich mal von Anfang an machen sollen. Das ich Rubens auch in dieser Extremsituation schließlich meist fast so 'hinbekommen' habe, wie zu Hause, war für mich eine ganz wertvolle, tolle Erfahrung. Wir sind schon ein tolles Team, mein Pferd einfach der helle Wahnsinn, er übertrifft sich immer wieder für mich :-).

4. Messetag
Schon im Parkhaus traf ich jemanden von der Pferdewaage wieder. Sie wollten Rubens gerne noch einmal wiegen, um ggf. zu zeigen, wie viel ein Pferd allein durch Stress bei so einer Veranstaltung abnehmen kann. Das fand ich auch interessant, denn ich musste den Sattelgurt bereits 4 Löcher enger schnallen, obwohl ich sein Futter um über 1/3 erhöht hatte (Danke an Ströh für die großzügigen Futterproben ;-).

Nach dem vormittaglichen Rasseringauftritt blieb ich gleich zum wiegen da. Rubens hatte in weniger als 48h 16 Kilo abgenommen. Das ist nicht dramatisch und für solche Situationen normal, aber schon deutlich. Nun hatte er den Idealwert 6.0 erreicht – mal sehen ob wir den halten können ;-).

Da mir auffiel das Rubens schon seit Sonntag auf dem gepflasterten Geländeboden sehr müde und schwer ging, habe ich es am letzten Tag bei einem Rassering und einem Showhallenauftritt belassen. Er ist so viel harten Boden nicht gewohnt und hat keine Eisen. Ich wollte nichts riskieren. Zudem wirkte er mittlerweile zunehmend genervt. Wie ein überdrehtes Kind. Er war hibbeliger, quengelig, unwillig am schnappen und zeigte vermehrt Übersprungsverhalten, wie Zügelschappen und –kauen. Der letzte Auftritt lief dann für uns ganz entspannt und wie geplant – frau soll ja immer aufhören, wenn es am Schönsten ist. Nun war es Zeit nach Hause zu kommen.

Gegen 17.00 hatten wir eingepackt und verladen, waren um 18:30 heil zu Hause angekommen. Aber ein Ende war noch nicht in Sicht. Was wir leider vorab nicht wussten war, dass die Islandstute extrem traumatisiert ist. Sie lässt sich nicht Aufhalftern und Verladen, d.h. wenn, dann nur mit extremer Gewalt. Ich möchte mich hier nicht weiter darüber auslassen, aber wir haben fast 2 h zu dritt gebraucht, um sie zu fangen und zu verladen. Dabei hatten Sauglück, dass sich keiner groß verletzt hat. Nur ein paar kleine Wunden und blaue Flecken… Das war das Furchtbarste, was wir mit Pferden je haben ansehen und mitmachen müssen und hat uns unendlich wehgetan.Wir hoffen innig, dass die kleine, zauberhafte Stute, die sonst so nach Nähe sucht und Gunnar nicht von der Seite wich, einen Menschen findet, der sich viel Zeit und Geduld mit ihr nimmt und Ihr das Vertrauen in die Menschheit zurück.

Rubens war bei der ganzen Aktion einfach nur großartig. Er blieb dabei, bot der Stute Schutz und etwas Beruhigung und folgte mir meist von sich aus mit der Nase auf Schulterhöhe.

Unseren beiden geht es gut und sie tummeln sich wieder als dicke Kumpel auf der Weide, genießen das neue Gras. OK, Sunny hat noch ein wenig nach der Stute gesucht und gesehnt. Sich dann aber zurück in sein Schicksal mit Boss Rubens gefügt. Schnell und mehrfach haben unsere beiden zu unserer Freude gemeinsam Fellpflege betrieben – alles im Lot und Rubens darf erstmal Pause machen und vor allem wieder Pferd sein.

Für uns war das ein einmaliges, spannendes, überwiegend positives und vor allem lehrreiches Erlebnis, das uns noch enger zusammen geschweißt hat. Ich habe es genossen und die Chance war genommen, mein Pferd intensiv und am Stück beobachten und kennen lernen zu dürfen. Rubens weicht nun kaum von meiner Seite und hört noch besser. Erstaunlicherweise hat er seine mit den Besuchern extrem ausgeübte Schnabbeligkeit zu Hause sofort abgelegt. Er weiß halt doch, mit wem er es machen kann und mit wem nicht ;-). Er ist noch einmal mehr mein absolutes Traumpferd…