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„Sind Pferde eigentlich intelligent?“

...wurde ich kürzlich gefragt und musste erstmal darüber nachdenken. Interessante Frage eigentlich und ohne groß nach zu lesen fällt mir dazu Folgendes ein:

Pferd haben zunächst einmal bessere und anders gestrickte sinnliche Fähigkeiten als wir Menschen, was zu Situationen führt, in denen wir unser Pferd als intelligent empfinden, dabei sind es die Sinne nicht die Intelligenz an sich. Sie sehen mehr und anders als wir, hören besser, riechen besser.

Pferde nehmen das Wesentliche wahr und auch das kleinste Detail. Und als Fluchttier reagieren sie sofort. Das kann intelligent wirken.

Pferde wird ein beeindruckendes Gedächtnis nachgesagt und ich kann bestätigen, das Rubens Dinge, die er gelernt hat auch nach langen Pausen auf Anhieb abrufen kann.

Von Menschen Dinge Lernen können Pferde, wenn ihre Kommunikationswege und Triebe (Fressen, Sozialkontakt, Beschäftigung, Bewegung) erkannt und ausgenutzt werden. Gibt es für etwas Futter, ist Rubens Meister darin in Sekunden zu erkennen, wofür es das Futter gab. Lachen, also Flehmen auf Kommando, waren keine 5 Sekunden.

Schwieriger ist es dann ihm beizubringen, dass er etwas NUR auf Kommando machen soll. Nach den 5 Sekunden hat uns Rubens erstmal 3 Wochen lang angelacht, wenn wir auch nur in Sichtweite kamen. Aber war er zu blöd, zu erkennen, das es nur auf Kommando was gab?

Oder hat er, was Pferde gerne tun, Lotto gespielt bis er merkte, dass das nix bringt? Also ungefragt den Trick stetig anbieten in der Hoffnung auf Futter? Rubens ist da sehr ausdauernd und hartnäckig…

Wirklich intelligent finde ich die Transferleistungen, die ich bei unseren beiden beobachten konnte. Nachdem Rubens (schnell) gelernt hatte mir den Hut vom Kopf zu nehmen, waren ‚Hut vom Boden aufheben und mir geben’ und auch ‚Hut aufheben und mir hinten-oben in den Sattel reichen’ sofort Bestandteil des Programms. Der Hut fiel mir runter und er hat es einfach gemacht!

Sunny ist dagegen ein Abgucker. Habe ich den Gymnastikaball vor ihn hingelegt und ihn ermuntert damit was zu tun, hat er mich nur ‚blöd’ angeguckt. Dann hat er beobachtet wie Rubens für das Ballspiel Futter bekam. Sunny fing dann nicht zaghaft an sich dem Ball zu nähern. Nein von Null auf Hundert wurde der Ball sofort gezielt mit der Nase fort bewegt und kurz danach entschlossen mit dem Huf. Das mit dem Hut hat noch nicht so raus. Aber die Huttricks mit Rubens hat er schon gesehen und dass da Futter im Spiel ist. So hat er angefangen immerhin aber doch etwas hilflos an meinem Hut zu knabbern und zu schubbern, wenn der auf meinem Kopf oder dem Boden liegt und er ran darf ;-).

Beeindruckt war ich als Sunny mal zu mir am Boden sitzen kam und wie selbstverständlich seine Futterbekleckerte Schauze an meiner Jeans abwischte, um es von selbiger dann wieder abzulecken...

Weniger intelligent finde ich, dass Rubens und Sunny so gerne auf ihren Fressplatz kacken, sich in Huf- und Beinnähe an Zaun oder Stallpfosten wälzen müssen, oder Rubens es z.B. auch geschafft hat, sich im Offenstall festzulegen. Auch nicht wirklich schlau ist es, das Rubens vor seinem eigenen Pferdeapfel erschreckt, wenn der auf ungewohntem Untergrund hinter ihm ungewohnte Geräusche macht oder vor dem Wasser, das ihm selbst auf den Boden platscht…

Also Pferdefeunde: lasst uns das Hottel nicht vermenschlichen, ich denke das meiste am und mit dem Pferd sind Sinne und Treibe auf die es reagiert…