Erfahrungsberichte rund um unser Pferdetraining: Bodenarbeit und Reiten
Hier finden situationsorientierte Erfahrungen von UNS rund ums Reiten, Bodenarbeit, Dualaktivierung: Wie haben wir es lösen können, wenn mal was nicht so klappt bzw. für UNS neu war…
Vorweg: Wir sind bei weitem keine Profis, sondern Anfänger! Und die nachfolgenden Erfolgserlebnisse sind grundlegend nicht auf unseren Mist gewachsen, sondern beruhen auf zahlreicher Literatur, deren Erkenntnisse wir uns zu nutze gemacht haben und die ich einflechte. Daraus haben wir dann in unserer Praxis UNSERE Wege gefunden und entwickelt. Ich möchte hier weder den Eindruck erwecken, wir hätten Pferde-Weisheit mit Löffeln gegessen, noch wichtig tun, sondern unsere kleinen ‚Wege zum Erfolg’ hier in Dankbarkeit für zahlreiche Erfahrungsberichte aus anderen Foren und eben Büchern anbieten, die uns praktisch weitergeholfen haben. Vielleicht können wir dem ein oder anderen so etwas zurückgeben bzw. weitergeben…
*Hilfe, die Schweine sind da!
Problem:
Unser Nachbar hat 3 süße, gepunktete Ferkel angeschaft. Die befinden sich nun direkt am Reitplatz. Nur: Pferd können so gar nicht auf Schweine. Ich habe meinen nervenstarken Rubens nicht wiedererkannt! Nur Augen und Ohren und Nase für Schweine - Frauchen wird schon beim Führen über die Schulter fast umgerannt und angerempelt. DAS GEHT GAR NICHT, denn ich bin der Chef und auf MICH ist zu achten. Aber selbst mit einem zünftigen Hieb vor die Brust in Pferdemanier, bekam ich gerade mal 1/4tel Ohr geschenkt. Der halbe Reitplatz ist Schweinealarmzone, teilweise bekomme ich Rubens gar nicht erst dorthin. An unsere Westernreithausaufgaben war nicht zu denken...
Was haben wir getan?
Mit großer Aktion meinerseits kam ich nicht weit, damit habe ich die Situation nur verschlimmert und der 'Schweineecke' noch mehr Bedeutung gegeben und den Streß genau dort weiter erhöht. Am besten bin ich gefahren mit bestimmten und ignorierendem Auftreten - immer ein Stückchen näher ran bei jeder Runde. Dann kam ich auf die Idee die Dualgassen zur Hilfe zu nehmen: die habe ich genau über die Bahn in der beängstigenden Ecke gelegt und siehe da! Rubens sah nur noch seine geliebten Gassen und ging durch! Jetzt ist es Tagesformabhängig, wie er reagiert. Merke ich, dass er anfängt sich aufzuregen, hole ich die Gassen hervor, damit kriege ich ihn immer.
Zusätzlich habe ich als Desensibilisierungsmaßnahme an einigen Tagen Möhren auf dem Reitplatz verteilt - besonders in der gefürchteten Schweinecken und die Pferde diese suchen lassen. Zudem werden sie sich schon mit der Zeit dran gewöhnen... (hoffe ich ;-)
*MEINE Leckerchen-Marotte
Problem:
Rubens ist gerne mal 'schnappig', besonders wenn er ein Leckerchen erwartet, weil er für das Getane schon mal eines bekommen hat (merkt er sich wie ein Elephant). Er beisst nicht, sondern schnappt in die Luft, aber schon das empfinde ich als unangenehm und könnte sich steigernd doch auch mal gefährlicher werden. Zudem bietet er Lektionen, z.B. den spanischen Schritt (vorne mit einem Bein hoch austreten), die er über Leckerchen neu gelernt hat, dann bei jeder Gelegenheit von selber an, sobald er sich langweilt oder für etwas anderes gerade mal kein Leckerchen bekommen hat.
Ursache
ICH kann mich noch nicht konsequent genug beherrschen, nicht zu viel mit Leckerchen zu belohnen, wo längst ein stimmliches Lob oder eine Streicheleinheit reichen würde. Ich habe es zwar schon teilweise geschafft, die Leckerchenverteilung sukkessive zu reduzieren und sogar ganz weg zu lassen, aber es gelingt mir noch nicht so, wie es sollte. Ich kann mir zum einen oft auf die Schnelle nicht merken, auf was für einem Belohnungsstand ich bei de gerade getanen Lektion war (uff, Rubens kann schon so viel, ich komme da nicht mehr mit - dummes Frauchen!). Zum anderen diese großen, braunen, unschuldigen Augen... Selbst Gunnar fällt da gelegentlich drauf rein ;-).
Was ist zu tun?
Da ich offensichtlich mit kontollierter Leckerchen-Belohnungsmethode überfordert bin, werde ich - sorry Rubens - für eine Zeit lang standhaft gar nicht aus der Hand füttern. Bis Rubens auch nichts mehr erwartet und, wie ich hoffe, 'entspannter' wird, was Schnappen angeht. So sozial und kontaktfreudig er ist, sollte ich auch mit Stimm- und Streichellob zurecht kommen, ohne dass er mich mit dem Hintern nicht mehr ansieht. Aber glaubt mir, das fällt mir unendlich schwer. Wie meinte Gunnar kürzlich noch so treffend: "Der Kerl hat aber auch eine Mimik drauf, von einer Sekunde zur anderen kann er von 'coole Sau' auf 'ich bin doch bloß ein kleines, niedliches Plüschtier' umswitchen". Ich werde an dieser Stelle berichten, ob dass der für uns richtige Ansatz ist.
Erfolg
Ich kann es selbst kaum glauben! So schnell? Rubens schien zu wissen, dass ich gar nix mehr in der Tasche habe, als ich ihn festentschlossen ohne Leckerchen zum DA-Training holte. Selbstzufrieden ohne Absuchen und Schnappeln ließ er sich halftern und vorbereiten. Das ganze Training absolvierte er unheimlich gehorsam wie ein 'Soldat'. Auf dem Punkt auf Zeichen anhalten, im DA- Zikel laufen, wenden, sich sauber wieder einfädeln, auf einem vorbestimmten Platz warten, wärhrend ich am anderen Ende einen Purzelbaum schlug (kein Witz - bin übermütig geworden). Dann sofort wieder Kommen auf Piff. Das alles ohne Longe und Halfter, ganz frei. Und ohne wütige Ausbrüche und Leckerchen einfordern... Ich bin sprachlos.
*Das wütige Pferd
Problem:
Rubens ist emotional (noch) deutlich unausgeglichener, tendenziell ungeduldiger als Freund Sunny. Phasenweise macht sich das mehr oder weniger bemerkbar, je nach dem, wie Rubens so drauf ist. Was passiert dann? Er reagiert ‚kurzluntig’ mit Stampfen und unwilligem Kopfschütteln, wie ein kleines Kind, wenn ihm was nicht passt und trifft vermehrt eigene Entscheidungen. Z.B: Wir halten grundsätzlich aus Sicherheitsgründen an Wegeskreuzungen an. Warten (meist symbolisch) bis der Weg frei ist, und die Zossen sollen natürlich auch entspannt auf unser 'Weiter'-Kommando warten. Rubens hatte schnell raus, worum es geht, schaut selbst nach rechts und links, entscheidet 'alles klar' und will weiter. Lass ich natürlich nicht zu und fange ihn rechzeitig sanft ab (erneut Haltekommando, Zügel annehmen und sofort wieder fallen lassen, wenn er ruhig steht), bevor er den ersten Schritt tut. Dann geht' los: Ungeduldiges Grunzen, wieder nach rechts-links-Schauen, Vorwärts-Wollen bis hin zu nach-Sunny-Schnappen und schließlich wütig vorne austreten und aufstampfen...
Ursache:
Er ist frustriert, weil ER weiter will (nach Hause, zum Fressen, Bewegungsdrang...) und nicht darf. Und er akzeptiert mich (noch) nicht voll als vertrauenswürdiger Chef=Entscheidungstreffer, stellt mich also in Frage.
Warum sollte man dagegen was unternehmen?
Ließe ich das Verhalten unbehandelt, würde ich meine Chef-Rolle weiter untergraben, ihm damit Stress bereiten, weil er sich bei mir nicht sicher fühlt und ihn im Gegenteil weiter dazu ermuntern, selbständig Entscheidungen zu Treffen. Das kann im Gelände gefährlich werden...
Was hat uns geholfen?
Wir sind noch mitten dabei, aber es wird schon besser in solchen Situationen. Ich lasse ihn NIE selbstständig losmarschieren, sondern fange ihn konsequent sanft ab - das ‚Sanft’ ist bei ihm sehr wichtig, denn ab einem gewissen Punkt reagiert er auf Druck mit Gegendruck - da habe ich schnell verloren, wenn ich die Nerven verliere... Wir 'warten' so lange bis er mindestens einige Sekunden halbwegs ruhig und entspannt steht, bevor es weitergeht und dehnen diese Zeit kontinuierlich aber nicht exzessiv aus. Denn ich versuche ein ‚Hochschaukeln’ zu vermeiden, warte also nicht auf Gedeih und Verderb, sondern gebe das ‚Weiter’-Kommando, bevor es zur ‚großen’ Rangelei kommt. Wenn er sich zu doll hochschaukelt und wir Gefahr laufen am angelehnten Zügel auf der Stelle zu tanzen, steige ich auch mal ab und löse die Situation vom Boden aus (an der Hand warten und schließlich Weg kreuzen). Parallel achte ich verstärkt darauf, dass er mich auch auf der Weide und bei der Bodenarbeit als 'Chef' anerkennt und vertraut bzw. übe das gezielt=Basisarbeit. Das braucht seine Zeit und ist ein fortschreitender Prozess. Die Dualaktivierung als weitere Basisarbeit macht ihn allgemein ausgeglichener und erhöht seine Frustrationstoleranz.
*Drängeln, Aufreiten, zu hohes Tempo...
Problem:
Ein Klassiker! Beim Ausreiten drängelt Rubens - vorwiegend im Trab oder Galopp gerne, 'stürmt' schneller vor, als ich will. D.h. er hängt mit der Nase auf Sunny's Schweifrübe, sieht den Weg und seine eigenen Füße nicht mehr, so dass er vermehrt stolpert und durch die hohe Aufrichtung (kein runder Hals) er sehr abgehackt, holprig läuft, was alles andere als schön zu sitzen ist. Zudem verändert er das Tempo (meist natürlich in schnellere Richtung) selbstständig.
Ursache:
Im Gelände ist die Situation für das Fluchttier Pferd komplett anders, als auf dem 'sicheren' überschaubareren Reitplatz. Viel Ablenkung durch und Absichern vor potentiellen 'Pferdefressern'. Geräusche, Gerüche, Bewegungen von allen Seiten. Somit sind die Hottels latent gestresster, aufgeregter und abgelenkter. Auch hier spielt die Rangordnung eine große Rolle, die vom Pferderücken aus noch schwieriger zu beeinflussen, zu leben ist. Die Grundsituation ist die, das Pferd dem 'Chef' da oben nicht, zumindest nicht voll vertraut und selbst das Absichern und Reagieren auf äußere Einflüsse übernimmt. Schön zu beobachten an den Ohren, die überall hinzeigen, nur nicht zum Reiter, es sei denn man reitet in der Gruppe hinten und Pferd sichert nach hinten ab (in der Mitte reitend beobachtet man übrigens dann ein Ohr nach vorne eines nach hinten...) Pferd trifft also selber Entscheidungen und reagiert kaum oder gar nicht auf Einwirkung 'von oben', ob Stimme, Zügel- oder Beinhilfen.
Warum sollte man dagegen was unternehmen?
Zum einen kann es gefährlich werden, z.B. wenn Pferd schließlich flüchtet - also durchgeht oder spontan zur Seite weg springt. Beim 'Drängeln' sehen weder Pferd noch Reiter den Weg - stolpern und das Pferd davor ist durch die Nase auf dem Po auch genervt, keilt ggf. sogar aus. Insgesamt sind die Bewegungen nicht 'rund' und mal davon abgesehen, das es unbequem und anstrengend ist - für beide - ist es auch gesundheitsschädlich - für beide - Muskelverspannungen, Wirbelstauchungen usw.
Was hat uns geholfen?
Auch hier sind wir mitten dabei und haben etwas gebraucht, den Weg zum Ziel= 'entspannte Bewegungen mit Abstand' zu finden. Ich fange Rubens ab, aber sanft und eher impulsartig als mit anstehendem Zügeldruck - sonst stumpft er ab, bzw. reagiert mit Gegendruck, bei dem ich nur verlieren kann oder mit dem ich ihm schließlich z.B. im Maul weh tue - ein Teufelskreis. Andere Pferde reagieren/lernen besser mit sich stetig aufbauendem Zügeldruck, der sofort nachlässt, wenn das gewünschte Verhalten eintritt, das scheint mir individuell zu sein und muss jeder für sein Pferd raus finden. Der Durchbruch kam aber vor allem mit einem Hinweis von Michael Geitner im Buch 'Be strict - vom Sattel aus'. Wie bei den meisten, 'schien' es auch mir so, als hätte ich die Probleme 'nur' im Trab oder Galopp. Im Schritt hält er meist Abstand und läuft rund. Aber bei genauerem 'Hinsehen' fiel auch mir auf, dass er bereits hier ständig eigenmächtig das Tempo ändert - teilweise kaum merklich - und ich nicht darauf reagiert habe. In den schnelleren Gangarten macht sich das natürlich gleich viel massiver bemerkbar. Der Ansatz ist also, schon im Schritt aufzupassen und keine eigenmächtigem Tempoänderungen zu zu lassen, sowie den Abstand zum Vorpferd auch hier konsequenz durch sanftes Abfangen (Stimmkommando + leichte, impulsartige Zügeleinwirkung bei Rubens) einzufordern. Siehe da, prompt funktioniert es auch in den schnelleren Gangarten gleich viel besser. Ich bin präsenter für ihn geworden! Wichtig ist auch die Zügel sofort wieder loszulassen, sobald das gewünschte Verhalten (Abstand erreicht, langsamer geworden) kommt, damit Pferd lernt, was man will und so überhaupt immer weniger Zügeleinwirkung nötig wird. Langfristig kommt - ihr könnt es vermutlich nicht mehr hören - die Basisarbeit am Boden (Be strict und DA) und generell im Umgang z.B. auf der Weide zum tragen. Ich muss meine Chef-Rolle festigen und erreichen, dass mir Rubens vertrauensvoll 'folgt' anstatt sich zu sagen 'mmhh, dass nehme ich lieber selbst in die Hand'. Somit gilt es, ständig aufzupassen, wo die Ohren und damit die Aufmerksamkeit von Rubens ist, und ggf. sofort zu reagieren. Ein erster Erfolg ist, wenn Pferd bei 'Gefahr', also unbekannter Gegenstand am Wegesrand, 'komisches' Geräusch, zunächst mit einem Ohr beim Reiter abfragt 'hey, ist das ok?'. Das sollte dann vom Reiter bestätigt werden: Leichter Treibimpuls ='alles klar, hab ich gesehen, ist nix gefährliches, weiter geht’s'. So verfahre ich auch, wenn ich Rubens' Aufmerksamkeit verliere. Biegt und schaut er nach links, statt gelassen geradeaus zu gehen, gebe ich auf der Gegenseite einen leichten Schenkelimpuls und Zupf am Zügel, so dass ich sein Ohr kriege und er sich wieder nach vorne ausrichtet. So wirkt sich reiterliches Verhalten auf ein Problem (Erinnerung: das Aufreiten im Trab, Galopp…) aus, mit dem es direkt gar nichts zu tun hat...
*Verhalten auf der Weide - Pferdeklau!
Problem+Ursache:
Sunny ist Rubens' Herde und HIER ER Chef, so lange wir nicht da sind. Diese Position möchte er prinzipiell auch nicht aufgeben bzw. testet uns rangordungstechnisch aus, wenn wir da sind, nicht unbedingt weil er Chef sein will, sondern sich sicher fühlen. So kommt es vor, das er uns Sunny regelrecht 'klaut', nämlich von uns wegtreibt. Passen wir nicht auf, gelingt im das, weil er letztendlich körperlich stärker ist, und wir in eine Situation geraten können, wo wir nichts mehr dagegen tun können.
Warum sollte man dagegen was unternehmen?
Unterbinden wir das nicht, bzw. behaupten hier nicht unser ranghöhere Stellung, dann setzt sich das mit 'Problemen' bis hin zum Reiten durch.
Was hat uns geholfen?
Immer aufmerksam sein und beobachten, damit man vorhersehen und eingreifen kann, bevor es 'zu spät' ist. D.h. z.B. Rubens schon wegtreiben, bevor er zu nah ist und sich zwischen uns und Sunny gedrängt hat.
*Hufklackern und Stolpern
Problem:
Rubens hatte, als er zu uns kam ein ausgeprägtes ‚Hufklacker’- und Stolperproblem. Hufklackern heißt, dass er mit den Hinterhufen beim Gehen gegen die Vorderhufe schlägt. Stolpern bedeutet unausgeglichene, unentspannte Bewegungen bis hin zur Gefahr des Stürzens für Pferd und Reiter.
Ursache:
Hufklackern kommt bei Rubens dadurch, dass er - eigentlich positiv - weit unter- und durchtritt. Sein Hinterhuf tritt über eine Hufgröße vor die Spur des Vorderhufes. Zum Vergleich: Sunny tritt mit dem Hinterhuf in die Spur des Vorderhufes. Das Stolpern hat vor allem die Ursache, dass er ein ‚Hans guck in die Luft’ ist, also überall seine Aufmerksamkeit hinrichtet (durch seiner Umgebung abgelenkt ist), nur meist nicht dort, wo er hintritt – ein Aufmerksamkeitsproblem. Bei den ersten Ausritten haben wir uns mehrfach auf seine Knie gepackt, nicht ungefährlich und wir hatten Glück, dass wir nicht im vollen Trab oder Galopp komplett gestürzt sind. Weitere Ursache, die ich bei Rubens sehe: Ich kenne es von anderen Pferden, dass diese oft einen guten Instinkt/Gespür für den Weg/Gegenstände vor/um sich haben, z.B. in ein unsicheres Gelände gar nicht erst hineinwollen oder über einen gefallenen Reiter automatisch rüber springen. Rubens scheint dieses Gespür komplett zu fehlen. Das merkt man auch daran, dass er seinen Kopf mit voller Wucht gegen einen Pfeiler, Sunny oder einen Menschen donnert, neben dem er zufällig steht, wenn er sich eine Bremse von Rücken schnappen möchte. So hat er mich auch schon mal unbeabsichtigt leicht gebissen, als ich zwischen Mal und Bremse auf seiner Schulter stand. Er denkt dann nur noch ‚AUA – Bremse’ und nimmt seine Umgebung gar nicht mehr war. Rubens ist keineswegs jemals böse, sondern ‚töffelig’ und frau muss ständig für ihn mitgucken und in im Auge haben. Pferde können übrigens im Gegensatz zum Menschen i.d.R. nicht mehr als 1 Sache gleichzeitig machen bzw. wahrnehmen, bzw. auf mehr als einen 'Punkt' konzentrieren. Last not least, ist auch hier die vermutlich hauptsächliche Ursache, dass Rubens mir als Chef noch nicht voll vertraut. Auf seine Füße zu achten ist SEINE Aufgabe. Das kann er aber nur, wenn er ungestresst und entspannt ist, weil er mir als Chef das Absichern und Beobachten der Umgebung überlässt…
Warum sollte man dagegen was unternehmen?
Es ist schlichtweg gefährlich für Pferd und Reiter(in)!
Was hat uns geholfen?
1. Mit der Trainingsmethode und Verhalten gegenüber Rubens nach der ‚Be strict!’-Methode von Michael Geitner. Für Rubens wie gemacht. Hier wird ständig die Aufmerksamkeit des Pferdes gefordert und damit geschult. Er achtet mehr auf den Menschen und seine Umgebung. Meine Chef-Rolle und unser gegenseitiges Vertrauen wird gestärkt.
2. Mit ‚Dualaktivierung’: Durch die Arbeit vom Boden und Sattel aus in den blauen und gelben Dualgassen wird die Reizverarbeitung im Gehirn, Balance, Körpergefühl und Bewegungskoordination des Pferdes gefördert. Wieder wie für Rubens gemacht, der total auf die Gassen abfährt und sich immer ausgewogener und bewusster bewegt. Das geschieht automatisch durch die ‚Aktivierung’ der rechts-links-Wahrnehmung und damit Ausgleich der rechten und linken Hirnhälfte mit den unterschiedlichen Gassenfarben, die ständig visuelle Impulse an das Pferd geben und die Forderung an das Pferde, sich zwischen diesen Farben zu bewegen.
Mittlerweile haben wir uns seit Monaten nicht mehr auf seine Knie gepackt, das Stolpern tritt nur noch gelegentlich auf und das Hufklackern ist fast völlig verschwunden. Insgesamt werden die vorgenannten Probleme von Tag zu Tag weniger.
Mit Rubens habe ich sehr kurzfristig somit schon große Erfolge erzielt, so dass wir immer sicherer durchs Gelände toben können. Beide Trainingsmethoden sind aber langfristige Geschichten, die über Wochen, Monate und Jahre – ein Leben lang - Ihre Wirkung entfalten. Rubens Galopp ist z.B. eine langfristige Sache, wo es voran geht, aber eher langsam kontinuierlich.
* Schlurfen/Stoßen gegen Gassen/Bodenstangen
Problem:
Wieder Rubens: Beim Gehen über die Gassen als Hindernis, hat er die Hufe nicht hoch genommen, sondern regelmäßig die Gassen mitgeschleift, so dass ich die erstmal wieder richten durften. Ein ‚Pass auf’ Kommando hat nicht viel gebracht, dann hat er mich angesehen, aber nicht auf seine Füße geachtet.
Ursache:
Wieder Unaufmerksamkeit gegenüber seiner Umgebung und ‚Hans guck in die Luft’-Syndrom verbunden vielleicht mit Nicht-Verstehen, was ich von ihm will (also über die Gassen gehen, ohne diese zu Berühren auch wenn er offensichtlich schnell gemerkt hat, dass es nicht weh tut, die weichen Dinge zu Berühren). Und wieder ist auch hier die vermutlich hauptsächliche Ursache, dass Rubens mir als Chef noch nicht voll vertraut. Auf seine Füße zu achten ist SEINE Aufgabe. Das kann er aber nur, wenn er ungestresst und entspannt ist, weil er mir als Chef das Absichern und Beobachten der Umgebung überlässt…
Warum sollte man dagegen was unternehmen?
Wieder: es könnte gefährlich werden und zu Stolpern bis hin zu Stürzen führen, wenn Pferd solche tief liegende Hindernisse nicht wahrnimmt und nicht prinzipiell drüber geht, die Hufe hebt.
Was hat uns geholfen?
Neben dem schon vorgenannten Salmon an Basisarbeit nach ‚Be strict’ und DA, Vertrauen, Rangordnung usw. habe ich noch einen Trick angewandt, um ihn überhaupt erstmal zu zeigen, was ich will: Ich habe es mit Vormachen probiert! Wie ein Storch bin ich, die Knie demonstrativ hochziehend, schräg vor ihm gegangen und siehe da: es half! Er scheint sich gar nicht dem Drang, mich nachzuahmen, entziehen zu können. So sehr, dass es auch mit mir in der Zirkelmitte klappt. Kommt er an der Longe oder freilaufend von mir dirigiert zu den Gassen, die nun vor ihm im Weg liegen und nicht parallel, marschiere ich kurz vorher auf der Stelle, und er hebt auch die Hufe! Nun hoffe ich, dass er das verinnerlicht und ich langsam aber sicher mit der Beinakrobatik aufhören kann… Aber Vorsicht: Das kann theoretisch auch das Gegenteil bewirken! Denn das Setzen der Hufe ist Pferdejob und jede Ablenkung kann es dabei beeinträchtigen! Deswegen ist es wichtig, die ‚Akrobatik’ nicht WÄHREND der Bewegung über ein Hinternis zu machen, sondern nur kurz vorher. Sonst achtet er auf mich und nicht auf die Hufe. Gleiches gilt übrigens vom Pferderücken aus. Wenn ich auf ihn einwirke WÄHREND er über die Gassen geht oder durch eine Gasse hindurch, bringe ich ihn ggf. durcheinander, lenke ihn ab, so dass er eben NICHT mehr auf die Hufe achten kann und die Gassen berührt… Die Gassen oder ein Hindernis muss Pferd schließlich selbst meistern, also eingenständig, d.h. Zügel, Beine, Gewicht – alles in dem Moment neutral.
* Umstellung auf den Westernreitstil
Situation:
Rubens war ja nur englisch geritten worden und ich wollte ihn von nun an western-reiten. Er musste zunächst lernen weitgehend ohne Zügelanlehnung zunächst auf Stimmkommandos zu reagieren und sich zu bewegen sowie z.B. Tempo ohne ständiges Treiben halten. Schließlich soll er dazu die doch etwas anderen ‚Westernhilfen’ lernen.
Wie habe ich es gemacht?
So intelligent wie er ist, hat die Umstellung grundlegend innerhalb von 2-3 mal Reiten geklappt – und dabei hatte ich mich nach Lektüre über Westernreiten und ‚Umstellen’ auf mindestens Monate an entsprechendem Training eingestellt... Klar, zu Beginn konnte ich auch das Phänomen beobachten, dass er sich ohne Zügelanlehnung erstmal unsicher fühlte und Schlangenlinien ging ‚Huch? Ist da noch wer’. Aber das gab sich sehr schnell. Ich habe ihm zunächst am Boden beim Führtraining die Kommandos verdeutlicht und rasend schnell hat er die dann vom Pferderücken aus am langen Zügel auch umgesetzt. Nun kann er schon Anhalten, Losgehen, Antraben, ‚Schneller’, ‚Langsamer’, Angaloppieren, Durchparieren, Rückwärtsgehen usw. lediglich auf Stimmkommando am meist langen Zügel (klappt in 90% der Fälle, was ich unglaublich finde nach der kurzen Zeit). Im nächsten Schritt gewöhne ich ihn weiter an die dazugehörigen ‚Westernhilfen’. Beispiel: Anhalten – Zügel auf den Hals, Rücken rund, Gewicht nach hinten-unten verlagern und Unterschenkel leicht nach vorne. Sobald er das im Kopf über das Stimmkommando und dem Anhalten an sich verbindet, müsste ich das Stimmkommando wieder weglassen können – ich werde hier berichten, sobald das klappt. Dabei habe ich festgestellt, das Rubens grundsätzlich besser auf impulsartige Hilfen reagiert/lernt als z.B. die in Lehrbüchern für viele Lektionen wie das Stoppen vorgeschlagenen langanhaltenden, sich aufbaueneden Hilfen (Gummibandverfahren). Man darf nie vergessen, jedes Pferd ist auch ein Individuum und ein Lehrbuch kann nur Anregung sein, den Weg zum Erfolg muss man selber mit seinem Zossen finden und manchmal sieht der halt anders aus...
* Aufbewahrung Dualgassen
Problem:
Die praktischen Dualgassenschläuche aus beschichtetem Stoff, den man selber mit z.B. Heu füllen kann sind klasse, da leicht und damit schnell und einfach von A nach B zu transportieren. Zudem lassen sie sich auch flexible in der Länge formen und ermöglichen so weiter Übungen. Diese Gassen und Schaumstofffüllungen gibt es bei www.kraemer-pferdesport.de. Lässt man diese Gassen aber einfach auf dem Reitplatz liegen, bleichen sie aus und ziehen Feuchtigkeit, so dass sich anfangen – besonders das Füllmaterial – zu schimmeln. Besonders die Füllung mit Heu kann problematisch werden, da sie vermehrt Mäuse anlockt: unsere Gassen wurden jüngst aufgeknabbert…
Was tun?
Als Füllmaterial haben wir wegen dem hohen Mäuseaufkommen nun auf Schaustoff umgestellt sich am besten bei uns Holzwolle bewährt, die wir zufällig aus diversen Paketlieferungen hatten.
Zur Aufbewahrung haben wir günstige Gartenmöbelauflagen-Aufbewahrungsboxen im Dänischen Bettenhaus erworben, die draußen direkt am Reitplatz stehen können. In eine Kiste passen 4 Gassen rein und sind so schnell greifbar, ohne sie erst aus irgendeinem Schuppen durch Zäune schleppen zu müssen. So sind die Gassen vor Sonne und Nässe geschützt, wenn sie nicht benutzt werden.
Die Gassen sind auch bei 30 Grad waschbar, danach ein Stück weit ‚wie neu’. Ich habe es gerade erfolgreich ausprobiert und mache das alle 3-6 Monate nach Bedarf.
* Aufdringlichkeit und Anknabbern
Problem:
Wieder Rubens: Er ist unendlich neugierig und sehr geruchsorientiert. Dabei gegenüber Menschen und auch anderen Pferden sehr aufdringlich bis hin zu respektlos und frech vom ‚Pferdesprachen’-Standpunkt aus gesehen. Klamotten und Dinge werden schamlos beschnüffelt und angeknabbert, bzw. danach geschnappt…
Ursache:
Rubens versucht die Rangordnung auszutesten und hat sich dabei bisher offensichtlich zumindest in einer längeren Phase bevor er zu uns kam, als ranghöher gegenüber Menschen bestätigt gefühlt – sicherlich auch enttäuscht, denn prinzipiell sucht ein Pferd auch nach Anschluss und Führung, denn selber ‚Chef’ sein ist stressig. So testete und suchte er immer weiter und immer massiver. Zum anderen will Rubens wie jedes Pferd ständig fressen und ist auf Leckerlies scharf. Mit seinem Verhalten hatte er damit bisher Erfolg – also weiter so… Menschen machen bei so einem Verhalten oft einen schwerwiegenden Fehler, in dem sie das Verhalten vermenschlichen: ‚Wie süüüß! Er mag mich! Wie lustig! Wie zutraulich! Wie schlau!’ usw. Sie fördern die Situation weiter, in dem sie wahllos Leckerlies füttern und keine Grenzen aufzeigen – Ein Teufelskreis mit Eskalationspotential…
Warum sollte man dagegen was tun?
Das Pferd wird zum Schubser, Schnapper, vielleicht sogar geradezu bissig und zerstört Klamotten wie sonstige Gegenstände regelmäßig.
Damit weiter verbundene Nebeneffekte sind Probleme und damit Risiken auch beim Reiten und der Bodenarbeit: Das Pferd fühlt sich als ranghöher als der Mensch, hört nicht – ist also weniger zu kontrollieren – und verlässt sich in Gefahrensituationen eher auf sich selbst als auf den Menschen: Durchgehen, Schreckhaftigkeit, Eigenständigkeit ohne Kontrolle (Pferd entscheidet, wann getrabt oder galoppiert wird, wo es hingeht).
So eine Pferde-Mensch-Beziehung ist für beide potentiell gefährlich in jeder Situation.
Was hat uns geholfen?
1. Leckerlie und auch stimmliches wie körperliches Lob gibt es konsequent NUR wenn er dafür irgendetwas noch so kleines ‚geleistet’ hat. (ha, natürlich gelingt mir das nicht immer – diese großen Braunen Augen und mein eigenes Kuschelbedürfnis…)
2. Er darf bedingt z.B. zur Begrüßung schnüffeln, aber überhaupt nicht an Taschen, schnappen oder knabbern – nicht mal ansatzweise! Das wird sofort mit einem hohen ‚Huch’-Laut, hochreißen der Arme oder Aufstampfen und Schritt auf ihn zu, so dass er weichen muss, quittiert. So wird auch die Rangordnung zwischen Pferden geregelt. Wer mal zwei sich neu kennen lernende Pferde beobachtet, kann es sehen: hohe Quietschtöne, vordrängen und hochreißen der Vorderbeine oder Stampfen. Natürlich darf man es nicht übertreiben und muss seine Reaktion wohl dosieren: so viel wie nötig – so wenig wie möglich! Sonst könnte das Pferd je nach Individualität z.B. kopfscheu werden. Hier ist Sensibilität und Vortasten gefragt! Bei Sunny ist z.B. grundsätzlich viel weniger ‚Alarm’ notwendig als bei Rubens. Wenn Rubens besonders frech wird, gar richtig geschnappt hat, wird er unter lautem Zenober richtig weggeschickt und ein paar Runden getrieben.
Der Erfolg ist übrigens verblüffend: Viele scheuen sich davor, Ihr Pferd wegzuscheuchen, aus Angst: ‚er mag mich dann nicht mehr, ich will doch geliebt werden’ oder ‚dann kommt er nie wieder’. Völlig falsch: Das Pferd hat das Grundbedürfnis, sich anzuschließen (Herdentrieb). So haben schon die Indianer Pferde gefangen. Sie haben sie einfach mit Abstand ruhig verfolgt (sozusagen getrieben) und sind nach einigen Tagen einfach in die entgegen gesetzte Richtig gegangen – die Pferde drehten auch und folgen ihnen bis hin in einen vorbereiteten Corral…
Rubens und Sunny reagieren genauso und bisher habe ich noch von keinem Pferd gehört, das anders reagiert: Am anhänglichsten und aufmerksamsten sind sie (für uns geradezu paradox, hier ist Umdenken gefragt), wenn sie von uns ‚weggeschickt’ wurden. So haben sie auch gelernt, zu kommen, sobald wir rufen. Tun sie das mal nicht, werden sie erstmal getrieben, dann erneut gerufen. Mittlerweile reicht meist ein Quietschlaut und ein paar Schritte auf sie zugehen, wenn sie nicht sofort reagieren und schon toben sie auf uns los – selbst wenn sie auf der saftigsten Weide stehen und dort runter sollen.
3. Bei der Bodenarbeit und auch im Umgang auf der Weide üben wir immer, immer Abstandhalten. Rubens muss viel zurückweichen und lernen auf Kommando da stehen zu bleiben, wo er ist (Ground Tying).
Rubens ist so immer vorsichtiger und respektvoller geworden, schnappt weniger, hört besser usw. Beim ‚Kommen auf Pfiff’ hat er sogar öfters noch mal umgedreht und Sunny treibend mitgebracht, wenn ich alleine gepfiffen hatte und Sunny nicht reagierte, weil er eher auf Gunnar hört.
Das alles ist natürlich ein langfristiger Prozess und ein Stück weit ist Rubens eben Rubens: Neugierig und mit geringem Individualabstand – auch rassebedingt. Natürlich gelingt es mir auch wie gesagt (noch) nicht immer so konsequent zu bleiben wie ich sollte (ach, diese großen, hungrigen Augen)… Alles in allem ist aber die Rangordnung schon soweit geklärt, dass wir mit dem jetzigen Zustand zufrieden sein können.